Folge 6 | Robert Hartman: Gründer der Wertewissenschaft
2023-02-05
In dieser Folge erläutere ich zunächst, warum wir uns für Robert S. Hartman interessieren sollten, gerade jetzt, nachdem sich sein Todestag zum 50igsten Mal gejährt hat. Er war seiner Zeit weit voraus und adressierte bereits in den 40er, 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die drängendsten Probleme der Menschheit, der Arbeitswelt und des persönlich gelingenden Lebens. Krieg und Frieden, schlechte Arbeitsergebnisse, gute Kollaboration, Potenzialerkennung und ausschöpfung, neuartige konstruktive Verbindung von „Kapital“ und „Arbeit“, was wir heute mitunter Employee Relationship Management bezeichnen, und vieles mehr.
Ich skizziere sein Leben, das man verdichtet und spannend in seiner Biografie lesen kann (siehe Shownotes). Dann erläutere ich, wie er seine Wertetheorie aus der Philosophie entwickelt hat und beschreibe deren Anwendung im Arbeitsleben. Schließlich gehe ich noch auf das nach ihm benannte Robert S. Hartman Institute ein und werfe einen Blick auf seine Hinterlassenschaften, zu denen auch tolle Tonbandaufnahmen seiner Werte-Seminare gehören.
Folge 6 neu
"Profiling Values" Folge sechs: Robert S. Hartman, Leben, mathematisches Wertesystem, Einfluss auf Ethik, Weltfrieden. 50. Todestag, Vermächtnis beim Hartman Institute inspiriert Suche nach Gutem in komplexer Welt.
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In der sechsten Folge von "Profiling Values" dreht sich alles um das Leben und die Forschungen von Robert S. Hartman, dem Gründer der formalen Wertewissenschaft. Sein Werk behandelt die drängendsten Probleme unserer Zeit, wie den Umgang miteinander, Krieg und Frieden, sowie die Arbeit in einer sich ständig verändernden Welt. Anlässlich des 50. Todestages von Hartman im September dieses Jahres wird sein Einfluss und seine Innovationen auf den Bereich der Werte und Ethik beleuchtet. Hartmans Lebensgeschichte beginnt im Deutschland des Jahres 1910, während des Kaiserreichs. Sein frühzeitiges Erleben von Krieg und Unmenschlichkeit prägte seine spätere Flucht vor den aufkommenden Nazis und seine Wanderung in die USA. Seine akademischen Wege führten ihn nach München, Berlin, Paris und London, und schließlich in die USA, wo er in Universitäten lehrte und die Grundlagen seiner Wertetheorie entwickelte. Der Fokus von Hartmans Arbeit lag auf der Definition des Guten und der Schaffung eines mathematisch fundierten Wertesystems, das 18 verschiedene Werteperspektiven umfasste. Seine Theorien spiegeln sich in seinem Werk "Freedom to Live" wider und inspirieren bis heute Diskussionen über Ethik, Moral und die Anwendung von Werten im Leben und im Beruf. Hartman, der in den USA als Professor tätig war und mit renommierten Unternehmen zusammenarbeitete, hinterließ ein reiches Erbe von unveröffentlichten Manuskripten, die nun nach und nach aufgearbeitet werden. Seine Arbeit wurde sogar für den Friedensnobelpreis nominiert, was seine lebenslange Bemühungen um den Weltfrieden unterstreicht. Sein Vermächtnis wird durch das Robert S. Hartman Institute weitergetragen, das seine Werke bewahrt und seine Ideale in die Zukunft trägt. Die Leidenschaft und der tiefe Einfluss, den Hartman auf die Wertewissenschaft hatte, machen sein Leben und seine Arbeit zu einem inspirierenden Beispiel für die Suche nach dem Guten in einer komplexen Welt.
Brief Summary
In der sechsten Folge von "Profiling Values" wird das Leben und die Arbeit von Robert S. Hartman, dem Wertewissenschaftler, erkundet. Sein mathematisches Wertesystem und sein Einfluss auf Ethik und Weltfrieden werden zum 50. Todestag beleuchtet. Sein Vermächtnis wird durch das Robert S. Hartman Institute bewahrt, inspirierend für die Suche nach dem Guten in einer komplexen Welt.
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"Profiling Values", Robert S. Hartman, Wertewissenschaftler, mathematisches Wertesystem, Ethik, Weltfrieden, Todestag, Robert S. Hartman Institute, Vermächtnis, Suche nach dem Guten
Transcript
[0:00] Music.
Einführung in Robert S. Hartmans Leben
[0:08] Herzlich willkommen bei Profiling Values, beim Podcast Werte, Impulse und heute geht es in Folge 6 um ein Thema, was mir ganz besonders am Herzen liegt, beziehungsweise eine Person, die mir und inzwischen vielen anderen am Herzen liegt, nämlich Robert S. Hartman, der Gründer der formalen Wertewissenschaft. Warum sollten wir uns für ihn interessieren? Ja, er behandelt im Grunde die drängendsten Probleme unserer Zeit. Den Umgang miteinander, sei es privat, sei es in der Arbeitswelt, Krieg und Frieden, schlechte Arbeitsergebnisse oder gute Kollaboration. Ganz, ganz viele Themen. In diesem Jahr jährte sich sein Todestag im September zum 50. Mal. Er war seiner Zeit weit voraus. Was fasziniert mich bei ihm? Ja, dass es letztlich einfache und das ist in Anführungszeichen gesetzt Lösungen für komplexe Probleme bei ihm gibt. Und ja, die Autobiografie und die Rückschlüsse auf das Leben in seinem Buch eben Freedom to Live, die Robert Hartman Story. Und dieses Buch habe ich dieses Jahr auf Deutsch übersetzt und auch rausgebracht. Freiheit zu leben. Die Robert Hartmann Story.
[1:28] Links, damit man die findet, sind dann natürlich auch in den Shownotes. Ja, und was kann jeder aus seinem Leben tatsächlich mitnehmen? Wir haben alle Luft nach oben. Er hilft letztendlich für das gelingende Leben. Ich fange geschwind mal an mit der Kindheit und der Jugend, vielleicht ja das junge Erwachsenensein. Warum ist das wichtig hier in dem Kontext? Ja, Deutschland 1910, Kaiserreich noch, Berlin, ein wichtiges Zentrum in der Welt damals. Das deutsche Kaiserreich sehr bedeutend, aufstrebend. Und es war vier Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Also sein Vater ging in den Krieg, als er vier Jahre alt war. Die Unmenschlichkeit, die in dieser Zeit auch herrschte. Und er hat dann natürlich den Zweiten Weltkrieg auch erlebt. Und ja, der mögliche Nuklearkrieg spielt ebenfalls eine Rolle. Und er sagt, wir müssen aufpassen, dass wir aus uns selber gute Menschen machen, bevor wir uns selbst tatsächlich vernichtet haben. Aber wieder zurück in seine Zeit.
Flucht vor den Nazis und Neuanfang in den USA
[2:40] Er hat studiert dann nach dem Abitur, er hat in München und Berlin gelebt und dann in Berlin studiert, Jura und war dann auch ein Jahr an der Sorbonne in Paris und hat dort Politikwissenschaft studiert, hat in London auch ein Stück weit nochmal Ökonomie studiert und wurde dann 1932 als Richter am Bezirksgericht in Berlin auch zugelassen und war damals schon gar nicht gut, Gut, auch die Nazis zu sprechen, hat sie auch mit möglichst großen Strafen sozusagen belegt, wenn die Verfahren in seinem Bereich lagen und musste dann, weil die Nazis ihn schon verfolgt hatten, tatsächlich auch fliehen aus Deutschland. Er hat es sich nicht leicht gemacht, aber er war sich klar darüber.
[3:29] Dass dieses Böse, was da in Deutschland entsteht und schon angewendet wird, so stark wird, dass es gefährlich wird und dass er innerhalb des Landes viel, viel weniger bewirken könnte als außerhalb. Und deswegen war der Mut zum Weggang aus Deutschland da. Erstmal Paris, Fotoagentur, ganz, ganz mies gelaufen, wirklich Hunger auch gehabt und schließlich hat ein Freund von ihm ein Bild dann tatsächlich an die Presse verkaufen können und es ging aufwärts. Aber als er dann nach London ist, um dort diese Agentur weiterzuentwickeln, hat das gar nicht so gut geklappt. Und schließlich, nach einigen Monaten, auch ein paar Irrungen, Wirrungen, hat er den Lizenzgeber von Walt Disney für Europa getroffen. Und wie er schreibt, ihn so lange genervt, bis er bereit war, ihm die Lizenz für Skandinavien zu übertragen. Also die Entwicklung des Disney-Geschäftes in den nordischen Ländern. Und da hat er sozusagen sein erstes unternehmerisches Tun gehabt und eben dort auch unter Beweis gestellt.
[4:42] Vielleicht gehe ich dann gleich weiter an der Stelle, was dann passierte. Er hat ja geheiratet in Schweden und 1938 ist dann sein Sohn Jan geboren worden und da waren sie tatsächlich schon immer auf gepackten Koffern gesessen, weil Hartmann gesehen hat, was sich da bei Hitler oder unter Hitler zusammenbraut. Und tatsächlich haben sie immer jahrelang eine offene Fahrkarte gehabt, um nach New York zu kommen, um rüber zu kommen, um tatsächlich möglichst weit weg von einem möglichen Kriegsgeschehen und von den Nazis zu sein. Und am Tag des Münchner Abkommens, Appeasement war damals ja hochgestanden, haben sie tatsächlich das Schiff genommen und sind mit dem kleinen Jan tatsächlich in die USA gefahren. Dort hat er Walt Disney auch getroffen und hat dann das Geschäft übertragen kommen für die Mexiko und für die Karibik. Und das hat er zwei Jahre dann auch gemacht.
[5:46] Und jetzt auch nochmal ein Wendepunkt an der Stelle. Sein Bruder war zu der Zeit dann auch schon in New York in den USA und sie wollten ihn von Mexiko aus besuchen.
Definition des Guten und die Suche danach
[5:58] Und da wollten sie Besuchserlaubnisse in der Botschaft oder im Konsulat vielmehr bekommen. Aber es gab tatsächlich drei Einwanderungsvisa und schließlich hat er die genommen und ist 1941 mit der Familie in die USA emigriert und hat dort relativ bald auch an der Universität zu lehren angefangen und entsprechend Philosophie noch komplett durchstudiert, auch promoviert dort, um eben immer festzustellen, Moment mal, wir wissen immer noch nicht, was ist denn eigentlich das Gute oder wie kann man das Gute so effektiv und effizient auch organisieren, wie es uns in Anführungszeichen das Böse vormacht.
[6:41] Er hat gesagt, wie kann es sein, dass in der Geschichte immer die brutalsten Herrscher eigentlich die größte Macht und Effektivität und Effizienz entwickeln konnten? Warum kann das nicht auf der anderen Seite im Gegengewicht für das Gute genauso geschehen? Und er hat sein Leben deswegen der Untersuchung und der Voranbringung des Guten gewidmet. Und naja, das war natürlich seine erste Frage, was ist gut? Gut. Und was ist gut ist gar nicht so einfach zu beantworten und er leitet in seinem Buch sehr spannend diese Suche nach der Definition des guten Heer. Er sagt, das Recht, das kann uns nichts über das Gute sagen. Das Recht ist amoralisch. Wenn ich in der Diktatur ein Gesetz mache, dann kann das ganz, ganz böse für die Menschen ausgehen oder in der Demokratie ein gutes, aber es sagt nichts über die Moral aus. Auch in den Naturwissenschaften hat er nichts gefunden und dann eben in der Philosophie auch nicht. Das heißt also, am Ende des Tages stand er da und sagte, naja, bei Platon gibt es eine Stelle, in der er gefragt wird, Sokrates gefragt wird, was denn das Gute tatsächlich sei und dann heißt es, in diesem Dialog können wir das nicht herausarbeiten, das Gute ist so.
[8:05] Die Sonne, die alles wärmt und das ist natürlich keine besonders brauchbare Definition, um vielleicht damit auch weiterrechnen zu können und deshalb ist da auch nicht viel rauszuziehen und dieser Dialog, der ist allerdings nie geschrieben worden, was die Definition des Guten anbelangt. Und es ist tatsächlich bis in die Neuzeit, bis ins 19.
[8:30] Jahrhundert, letztendlich bis ins 20. Jahrhundert nicht klar geworden, was ist gut und Hartmann war auf der Suche und hat über den britischen Philosophen George E. Moore, der sich an den Begriff der Werte herangemacht hat und auch an den Begriff von Gut tatsächlich die Anregung bekommen und es irgendwann am Weihnachtsabend 1949 kam, es ihm blitzlichtartig gut ist, was sein Konzept erfüllt. Das heißt also, wir haben von allen Dingen, die wir betrachten, von allen Objekten, stets ein Konzept im Kopf, was bestimmte Eigenschaften aufweist. Ich habe zum Beispiel gerade ein Glas Wasser hier vor mir stehen und im Konzept eines guten Glases Wasser, wovon gehen wir da aus? Ja, wahrscheinlich, dass man sauberes Glas haben, ja, dass tatsächlich dort auch Wasser eingefüllt wird, dass es nicht entsprechend wieder rausfließen kann, dass ich es mundgerecht, also gut zum Mund führen kann und ähnliches. Und all diese Kriterien sind im Konzept eines Glases in meinem Kopf, eines guten Glases vorhanden. Und wenn dann das Glas vor mir steht, geht eine logische Operation auf den Weg.
[9:42] Die Konzeptbedingungen, die Eigenschaften des Konzepts werden verglichen mit den tatsächlichen Eigenschaften des Objekts. Und wenn es dann tatsächlich so ist, dass alle Eigenschaften vorhanden sind, dann sage ich, das ist ein gutes Glas.
[9:55] Wenn vielleicht ein paar wichtige nicht da sind, sage ich, das ist ein schlechtes Glas, was vielleicht schon einen Sprung mit drin hat. Oder wenn sich gar nichts einfüllen lässt, dann sage ich, das ist für mich gar kein Glas. So hat er einen Gütemaßstab erfunden oder gefunden, muss man vielmehr sagen. Und deswegen eben eine logisch, ja auch mathematisch nachher, eine universal gültige und objektive Definition des Wortes gut tatsächlich hergeleitet. Das darf man jetzt allerdings nicht moralisch missverstehen. Ich kann ja zum Beispiel sagen, jemand ist ein guter Mörder. Dann meine ich natürlich nicht moralisch, jemanden umzubringen. Das ist das Allerschlimmste, was man eben tun kann als Mensch auf der Welt. Aber die Logik sagt, dass eine Person vielleicht gut mordet in dem Sinne, dass sie das effektiv und effizient erledigt.
[10:47] Also die Moral sozusagen ist eine Art von Untermenge der Logik und in der Logik können wir genauso wie in den Naturwissenschaften mit der Mathematik arbeiten, aber eben, ich sag mal, in den anderen Wissenschaften, sei es die Psychologie, sei es die Philosophie, sei es die Politikwissenschaft, all diese Humanities, wie man sie nennt, oder Geistes- und Sozialwissenschaften, die waren eben bisher nicht berechenbar. Und deswegen ist er hergegangen und hat gesagt, so, was machen wir dann, wenn wir die Definition des Guten haben? Dann müssen wir uns verschiedene Konzeptarten herausarbeiten. Und da hat er drei entsprechend auch abgeleitet. Einmal die praktische Wertedimension, wie wir das so nennen. Er hat es die extrinsische Wertedimension genannt oder eben extrinsische Konzeptart. Das ist das Dingliche, die Sachen alle, die um uns herum sind. Und dann gibt es aber noch die Abstraktionsfähigkeit, das Systemische, dass wir Menschen hinter den Dingen, die wir sehen, die Prinzipien auch kennen. Wir wissen, was die Schwerkraft ist und wir wissen, wie die Physik tatsächlich arbeitet, nach welchen Gesetzen. Das können aber auch nur wir Menschen, unsere Katzen hier bei uns zu Hause auf der Finca, die können ihre Karriere nicht planen.
[12:07] Aber wir Menschen, wir können abstrahieren von den Dingen, die um uns sind und dann eben teleologisch, sagt man das, also nicht theologisch, Ziele ableiten von telos, altgriechisch das Ziel und sind also in der Lage, dann Ziele abzuleiten und diese auch Schritt für Schritt zu verfolgen. Das ist also die systemische Wertedimension nach der praktischen und die dritte ist dann die humane, die menschliche Wertedimension, die er intrinsische Wertedimension nennt. Das ist all das, was uns als Menschen ausmacht, also Dinge wie Bewusstsein, Liebe, Inspiration, Kreativität.
Die Mathematik der Wertedimensionen
[12:50] Und diese drei Wertedimensionen, praktisch, systemisch und eben auch menschlich, hat er mathematisch tatsächlich untermauert, sodass man damit rechnen kann. Mit dem Theorem dahinter, humanistisches Menschenbild, der Mensch oder Menschliches ist stets wertvoller als Praktisches, was wiederum wertvoller ist als Grundsätzliches oder Systemisches. So konnte eine Werte-Hierarchie aufgebaut werden und dann in der Kombination von Objekt und von der Brille, durch welche ich das Objekt sehe, insgesamt sogar 18 Werte-Perspektiven abgeleitet werden. Ich gebe dir ein, zwei, drei Beispiele vielleicht. Also ich kann einen Menschen, einen anderen Menschen, kann ich ja spüren, fühlen, erleben. Dann würde ich sagen, ich habe den Menschen menschlich gewertet. Also menschlich, menschlich ist die Perspektive. Ich kann aber auch einen Menschen meinetwegen praktisch werten. Ich nehme ihn so wahr, beobachte ihn, gucke, was er so macht.
[13:55] Dann wäre ich in der Werteperspektive menschlich praktisch. Oder ich kann aber auch einen Menschen einschätzen oder ihn beurteilen oder irgendetwas für ihn regeln, dann wäre ich in der Werteperspektive menschlich
Der Hartmann Value Profile Test
[14:09] systemisch oder menschlich grundsätzlich. Und so kann man insgesamt unter der Permutation, so kann man das auch nennen, dieser Wertedimensionen tatsächlich 18 Werteperspektiven ableiten, 9 im Positiven, 9 im Negativen, was schließlich zum Hartmann Value Profile führte. Das ist die Wertemathematik, die tatsächlich das Wertesystem eines Menschen abbilden kann. Das ist quasi ein Test, wenn man so möchte. Und das ist auch der Grundmotor von Profiling Values. Mit diesem Verfahren arbeiten wir, mit der Rangreihung von 18 Werteperspektiven und können durch den Algorithmus dann viel daraus auch herausbekommen. Er war in den USA und dann hat er auch Gastprofessuren am MIT zum Beispiel gehabt, Massachusetts Institute of Technology, war auch in Yale für eine Gastprofessur und hat schließlich in Knoxville eine Forschungsprofessur gehabt. Knoxville ist die University of Tennessee. Dort ist übrigens auch sein Nachlass in der Special Exhibitions Library.
[15:16] Seine Witwe hat dort alles der Universität übertragen und ich war da schon mehrmals drinnen. Ich habe auch Audio-Files von Value-Seminars gehört, die er für große Firmen wie General Electric oder Nationwide Insurance gehalten hat. Super spannend, sich das anzuhören. Er hat so einen leichten deutschen Akzent, wenn er Englisch spricht, aber eine unheimlich starke Herzlichkeit und auch Witzigkeit, in der er diese Seminare hält.
Einblicke in Werteseminare und das Hartman Institute
[15:45] Wer sich dafür interessiert, das Robert S. Hartman Institute, dem ich ja auch angehöre und auch im Board einige Jahre saß und den europäischen Arm gegründet hat, da habe ich eine ganze Reihe von diesen Audio-Files gegeben.
[16:00] Beziehungsweise sie haben inzwischen auch selbst viel aus den Archiven geholt. Da kann man sich das ein oder andere sicher auch holen und anhören, zumindest im Membership-Bereich. Also das ist eine ganz, ganz spannende Sache, dass man tatsächlich quasi live Mitschnitte heutzutage hören kann von Seminaren, die er in den 50er, 60er Jahren gehalten hat und die eben thematisch wahnsinnig aktuell sind. Wie er seine Wertetheorie anwendet auf tatsächlich das Arbeitsleben, wie da die Prioritäten zwischen Arbeit und Familie gesetzt werden müssen, wie jeder darauf achten muss, dass er für die Kompanie arbeitet, die tatsächlich für ihn auch was bringt und dass er die Potenziale entsprechend hebt und sich Gedanken machen muss und nicht einfach nur irgendeinen Job zu machen. Er hat das also in ganz vielen Beispielen hier sehr, sehr gut auch dargestellt und in seinem Buch Freedom to Live ist das natürlich auch alles entsprechend nachzulesen. Also ich kann das nur empfehlen, sowohl das Robert S.
Empfehlung des Buchs "Freedom to Live"
[17:11] Hartman Institute hier auch zu konsultieren, als eben auch das Buch zu lesen. Das Buch hat mich tief berührt und ich habe schon von vielen anderen das gleiche oder ähnliches gehört. Insofern.
[17:25] Nochmal die Empfehlung an der Stelle. Diese Forschungsprofessur in Knoxville war immer sechs Monate im Jahr und die anderen sechs Monate hatte er eine Forschungsprofessur an der University of Mexico, Mexico City.
[17:38] Da war ja die Verbindung da, weil er dort ja auch jahrelang für Disney gearbeitet hat, sodass er im Grunde eigentlich im Jahr entsprechend gependelt ist. Ja, sehr, sehr schade ist dann, dass er mit nur 63 Jahren dann einem Leiden erlag, relativ kurzfristig und das natürlich viel zu früh. Er hatte wahnsinnig viele noch unveröffentlichte Manuskripte. Das wird jetzt aufgearbeitet Stück für Stück. Das Robert S. Hartmann-Institut hat da in den letzten Jahren wirklich viel getan und viel investiert.
[18:13] Insbesondere Cliff Hurst hat einige Bücher sozusagen von ihm posthum herausgebracht. Auch das kann ich nur empfehlen. Er war angeblich im Jahre 1973 auch für den
Nominierung für den Friedensnobelpreis
[18:27] Friedensnobelpreis nominiert. Er hat ganz viel korrespondiert mit allen möglichen auf der ganzen Welt, auch gegenüber der amerikanischen Regierung immer so aufgetreten, dass es Richtung Frieden doch gehen muss. Er ist bekannt auch durch ein Zitat, wo er rhetorisch die Frage stellt und natürlich auch provozierend, haben wir den militärisch-industriellen Komplex, also unsere Verteidigungs- oder Militärindustrie des Landes, weil wir einen Feind haben, damals Russland, Sowjetunion, oder haben wir einen Feind, weil wir diesen militärisch-industriellen Komplex haben, der den Feind natürlich braucht, um seine Existenzberechtigung zu sichern. Also er war da sehr provokant. Jetzt 50 Jahre.
[19:15] Nach der Nominierung für den Nobelpreis sind die Archive geöffnet. Man könnte also in Oslo das wahrscheinlich einsehen. Die Gelegenheit hatte ich noch nicht, aber er ist ja im selben Jahr verstorben und der Nobelpreis wird ja nur an Lebende vergeben. Deswegen wissen wir nicht, wie das abgelaufen ist. Ich hoffe, ich habe dich ein bisschen neugierig gemacht auf dieses besondere Leben, auf diesen besonderen Mensch Robert S. Hartman und wie er versucht hat, das Gute innerhalb der Menschheit weiter voranzubringen, ist ihm gelungen. Aber so, wie er es immer auch gesagt hat, das ist bloß ein Anfang. Wir haben noch einen ganz, ganz großen Weg vor uns.
[19:58] Galilei oder Newton haben die Prinzipien vor 400, 500 Jahren gefunden, die physikalisch gesehen so wichtig sind, dass sie letztlich die gesamte Technologie ermöglichen oder ermöglicht haben, auf der wir heute aufbauen. Und das hat hunderte von Jahren gebraucht und davor war, ich sag mal, im Bereich der Moral und der Ethik nichts irgendwie mathematisch, sondern die Philosophen und
Aufruf zur mathematischen Ethik-Forschung
[20:22] Religionen haben miteinander gestritten und jeder meinte, Recht zu haben. Und er sagte auch mal, die Philosophen sollen damit endlich aufhören und sich an den Tisch setzen und rechnen mit ihren Bleistiften und dann sehen wir ja, welches Handeln gut, besser oder eben nicht gut oder noch schlechter entsprechend ist. Ja, ich hoffe, er interessiert dich und du gehst dem Ganzen nach. Ihr habt natürlich auch einiges über ihn in den Shownotes nochmal die Bücher und dann bedanke ich mich bei dir sehr, sehr herzlich.
[20:57] Music.